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Begründung aus praktischer Sicht

Die Gestaltung und nachhaltige Bewirtschaftung von Kulturlandschaften muss sich verstärkt an ökologischen Prinzipien orientieren.

Die Gestaltung von Agrarsystemen ist die zielorientierte Manipulation von Ökosystemen für gesellschaftliche Zwecke (Ohlander et al. 1999). Im letzten Jahrhundert stand die Pflanzenbauforschung dabei unter dem starken Einfluss von ökonomischen Vorgaben zur Ertrags- und Profitmaximierung. Durch mangelnde Beachtung ökologischer Prinzipien und regionaler Standortunterschiede wurden hierdurch in vielen Teilen der Erde folgenreiche Fehler in der Landbewirtschaftung begangen. Die Gestaltung neuer, ökologisch nachhaltiger Agrarsysteme wird sich deswegen zukünftig immer häufiger an dem Vorbild der Natur orientieren (Shrestha und Clements 2003). Hierzu ist eine stärkere Annäherung und Anbindung der Pflanzenbauwissenschaften an die verschiedenen oben aufgezeigten Wissenschaftsfelder notwendig.

Die Pflanzenbauforschung muss durch die Naturwissenschaften und Humanwissenschaften begleitet werden.

Die Optimierung pflanzenbaulicher Systeme basiert seit Beginn des Kulturpflanzenanbaus im Wesentlichen auf dem Prinzip des Versuchs und Irrtums. Immer knapper werdende Ressourcen, stärker werdende Schwankungen natürlicher und gesellschaftlicher Bedingungen, steigende Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Pflanzenbaus und Diversifizierungen von Produktionssystemen zwingen uns dazu, die zugrundeliegenden Mechanismen und Prinzipien besser zu verstehen, um ökologisch und wirtschaftlich angemessene Optimierungsstrategien entwickeln zu können. Ein solches Verständnis kann nur auf der Grundlage von engen Zusammenarbeiten mit den Naturwissenschaften und Humanwissenschaften entwickelt werden.

Die Modellbildung ist eine unverzichtbare Voraussetzung für jede Art pflanzenbauliche Forschung und dient darüber hinaus der interdisziplinären Kommunikation.

Durch die Verstärkung der Zusammenarbeit mit den Naturwissenschaften und Humanwissenschaften wird die Pflanzenbauforschung über ihre traditionelle Rolle als produktionsorientierte Ingenieurwissenschaft hinauswachsen und damit ihr Wesen ändern. Die durchgängige Einbeziehung von Modellbildungsprozessen bei der Bearbeitung von Fragestellungen in der Forschung ist ein entscheidender Bestandteil dieser Wesensänderung, welche die Suche nach den Grundlagen des Pflanzenbaus wesentlich effizienter als heute gestaltet. Um mit den Worten Kants zu sprechen wird sie hierdurch erst in einen „sicheren Gang“ gebracht (Kant 1997), der mit den Methoden der Grundlagenwissenschaften vereinbar ist und deswegen einen Austausch mit ihnen ermöglicht.

Pflanzenbausysteme müssen zukünftig verstärkt multiple Aufgaben erfüllen und sich den immer stärker werdenden Schwankungen der natürlichen Bedingungen und gesellschaftlichen Anforderungen flexibel anpassen

Die Gesellschaft wird ihre Anforderungen an die Pflanzenproduktion in vielfältiger Hinsicht ändern. Aufgrund der stark anwachsenden Weltbevölkerung muss die Effizienz der Pflanzenproduktion in den kommenden Jahrzehnten bei gleichbleibender Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen massiv gesteigert werden (Evans 1998; Cohen 1995). Aus unterschiedlichen Motivationsgründen wird sich die Nachfrage nach pflanzlichen Nahrungs- und Nichtnahrungsprodukten erheblich diversifizieren und kontinuierlich verändern. Das Adaptionsvermögen pflanzlicher Produktionssysteme an immer stärkere Schwankungen der Umwelt und gesellschaftlichen Nachfragen muss darüber hinaus wesentlich erhöht werden. In allen Regionen der Erde wird die Bedeutung von Gemischtbetrieben deutlich zunehmen (van Keulen und Schiere 2004). Die ökologischen und ökonomischen Bedingungen diversifizierter, adaptiver Produktionssysteme sind hoch komplex und können nur durch breit angelegte interdisziplinäre Zusammenarbeiten optimiert werden.

Die in vielerlei Hinsicht gesteigerten Anforderungen an die Pflanzenbauwissenschaften erfordern eine massive Stärkung der internationalen Zusammenarbeit in der Forschung.

Aufgrund der Komplexität der anstehenden Fragestellungen in der Forschung, globaler Zusammenhänge und großer regionaler Standortunterschiede werden sich die Pflanzenbauwissenschaften stark international ausrichten müssen, um wissenschaftlich allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten erarbeiten zu können, die auf vergleichenden Untersuchungen basieren. Erst die Übertragung von Theorie und Praxis aus der engeren Situation heraus auf fernere Gebiete wird zum entscheidenden Härtetest für beide. Hierbei werden sie gleichzeitig ihrer Aufgabe zur Schaffung von Grundlagen zur Verbesserung der Welternährungssituation besser gerecht. In den weniger entwickelten Ländern ergeben sich hierbei breite Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den Ernährungswissenschaften und der Medizin. In den mehr entwickelten Ländern müssen spezielle Ernährungsformen für verschiedene von Zivilisationskrankheiten betroffene Bevölkerungsgruppen und die alternde Bevölkerung entwickelt werden. Dies hat direkte Auswirkungen auf das Spektrum der angebauten Kulturpflanzen, deren Management, Verarbeitung und Vermarktung